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Achtsamkeit

Ich sehe ihn auf mich zukommen – mit seinem sturen Blick, unaufhaltsam, bedrohlich. Sein Erscheinungsbild eher das einer Kampfmaschine. Das Spiel seiner Muskeln wirkt Furcht einflößend. Sein ganzes Äußeres signalisiert Aggressionsbereitschaft.

Will er mich mit seinem Auftreten nur beeindrucken oder sucht er die gewaltsame Auseinandersetzung?

Wird er auf Abstand bleiben oder mich angreifen?

Oder wird versuchen, mich dazu zu zwingen, ihm auszuweichen, um einem Zusammenstoß mit ihm aus dem Weg zu gehen?

Um mir zu beweisen: Ich bin der Stärkere von uns beiden?

Ihnen, liebe Polizistinnen und Polizisten,

sind von Berufs wegen derartige Begegnungen und solche spontane Situationseinschätzungen nicht unbekannt. Ihre Aufmerksamkeit ist dafür geschult, genauer hinzuschauen, Bedrohliches wahrzunehmen und wachsam sich auf das Mögliche einzustellen. Und vermutlich haben Sie im Laufe Ihrer Diensttätigkeit mit der Unberechenbarkeit menschlicher Verhaltensweisen auch schon so Ihre einschlägigen Erfahrungen gemacht.

Argwohn und Misstrauen gegenüber Klienten ist im Polizeialltag aus Gründen des Selbstschutzes gewiss ein wichtiges Programm, das jederzeit bei Ihnen abgerufen werden können muss. Aber es darf nicht das einzige bleiben. Es bedarf der Ergänzung und der Korrektur durch ein weiteres, jederzeit bei uns abrufbares Programms, an das uns die Bibel erinnert mit dem Spruch:

„Der Mensch sieht, was vor Augen ist. Gott aber sieht das Herz an.“ 1. Samuel 16,7

Da geht es um die Fähigkeit, hinter die Fassaden zu blicken. Das zumindest tut Gott bei uns. Er sieht, was wir hinter unseren Fassaden zu verbergen versuchen: Unsere Schwächen, unsere Unsicherheit, unsere Ängste. Ihm können und brauchen wir nichts vorzumachen. Und das Überraschende:

Er hat uns, auch mit dem, was hinter unserer Fassade zum Vorschein kommt, lieb - mit unseren Stärken und trotz unserer Schwächen, mit unserem Licht und trotz unserer Schatten.

Das ist das andere Programm, welches es ebenfalls mit großem Einsatz zu trainieren gilt, vor allem für solche, die es dauernd mit Menschen zu tun haben: Zu lernen, Menschen mit den Augen Gottes zu sehen, also trotz allem liebevoll, gnädig. Bereit zu sein, ihnen zu liebe hinter den äußeren Anschein, hinter ihre Fassade zu schauen, wo sie in Wirklichkeit oft viel ohnmächtiger, zerbrechlicher, verletzlicher sind, als sie es uns durch Äußerlichkeiten zu signalisieren versuchen.

Also zwei Programme für die Polizei, die beides in sich vereinen, was jeder Polizist, jede Polizistin zur verantwortlichen Ausführung ihres Dienstes brauchen:

Achtsamkeit vor den Menschen und Achtsamkeit für die Menschen. Dafür wünsche ich Ihnen Gottes Segen und gute Begleitung!

(Den Impuls können Sie herunterladen: hier klicken)

 

Georg Metzger, Polizeiseelsorger der PD Emmendingen

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